7. Tag - So viel Bier und so wenig Zeit

Heute ist nun die Veranstaltung die der eigentliche Auslöser unserer Einladung war, der German-American-Day. Ich sollte die Gelegenheit nutzen um mal etwas über die German-American Society of Tulsa (GAST) zu erzählen. Die GAST ist eine Vereinigung zur Pflege der deutsch-amerikanischen Beziehungen, sowie der deutschen Kultur in Amerika. Sie organisieren Kaffeenachmittage, Konzerte, sie haben für die Frauenkirche gesammelt und stehen jedermann mit Rat und Tat zur Seite der irgendwie Interesse an Deutschland hat. Der größte Anteil des jährlichen Etats bekommt der Verein durch die Vermietung des vereinseigenen Gebäudes (GAST-Center), der Rest wird durch Verkaufsstände auf Oktoberfesten und ähnliches aufgetrieben. Das Gast-Center ist eine ehemalige Kirche mit einem großen Saal inkl. Bühne, einem Party-Keller mit Tanzfläche und einigen Nebenräumen in denen unter anderem auch ein wöchentlicher Stammtisch abgehalten wird. Im Kühlschrank gibt es übrigens meistens auch ein paar deutsche Biersorten, die nach unserem ersten Besuch aber schnell verbraucht waren. Die GAST hat auch eine Internetseite, auf der es viel Informationen zum Verein gibt. Witzig ist zum Beispiel die Seite mit den Rezepten auf der man so tolle deutsche Rezepte wie den 'Mighty Max' entdecken kann. Leider ist alles in englisch, aber ich denke der 'Mighty Max' ist es Wert mal Ansatzweise übersetzt zu werden, da doch einige lustige Sachen in Punkto deutscher Esskultur darin enthalten sind, vor allem welche Sachen für die Amerikaner so ungewöhnlich erscheinen. Das Original findet ihr bei GAST-Internet unter der Rubrik 'Recipes'.

Als erstes scheint es sehr schwierig zu sein in Amerika vernünftiges Brot zu bekommen. Im Rezept ist die Rede von 'festem' Brot wie Pumpernickel, JÜdischer Roggen (was zu Hölle ...) oder Deutsches Roggenbrot. Wer schon mal in Amerika war wird diese Problematik kennen, allen anderen sei gesagt. Es ist wirklich schwierig, und wenn man ein Brot findet auf dem 'German Bread' steht, kann man davon ausgehen das Kümmel drin ist. Es wird noch mal explizit darauf hingewiesen dass das Brot nicht einfach so auseinanderfallen darf, was bei amerikanischen Brot natürlich der Fall wäre, es sei denn es wird getoastet. Nachdem der angehende amerikanische Hobbykoch die Brotfrage geklärt hat, kommt das nächste Problem. Schinken. Den Autoren des Rezepts entgleitet sogar der Satz; 'Mann kann auch eine dicke Scheibe Leberkäse oder (ich hasse es das zu erwähnen) wenn es wirklich sein muss 'American Bologna' benutzen (das muss so eine Art 'Bierschinken' sein)' Wie auch immer, ich denke die Schinkenfrage ist nicht wirklich ein Problem, da mein strammer Max immer mit Salami belegt ist. Nachdem man das nun mit Ei belegt hat ist's dann auch schon fertig, und man sollte sich doch tunlichst zurückhalten dazu Dosenbier zu trinken (das war sehr Weise vom Autoren). Im Detail schreibt er: 'Genießen Sie dazu ein Bier aus dem Glas nicht aus der Flasche und zur Hölle ja nicht aus der Dose, der alte Max war nämlich hoch entwickelt.' Für wahr, für wahr. Lustig ist auch die Beschreibung zum europäischen Stil des Essens mit Messer und Gabel. 'Die einfachste Methode diese Konstruktion zu essen ist die europäische Art Messer und Gabel im Einklang zu benutzen, ähnlich wie beim Steak. Allerdings ohne das Essbesteck aus den Händen zu legen, es sei denn Sie möchten etwas trinken.' Es ist dort noch etwas genauer beschrieben aber das lasse ich mal weg, man sollte das im enlischen Original lesen, ist wesentlich lustiger. Außerdem muss ich ja noch von unserem Konzert berichten.

Wie bereits erwähnt fand heute das Konzert statt, dem wir die Einladung nach Tulsa zu verdanken hatten. Hauptredner des Tages war Buchautor Wolfgang W. E. Samuel, der sein neues Buch 'German Boy' vorstellte, in dem es um die Kindheitserlebnisse im dritten Weltkrieg ging. Vorher spielten wir noch die eigens für diesen Zweck einstudierte Nationalhymne von America sowie 'God bless America' und auch die deutsche Nationalhymne. Der Rest des Konzertes war sehr angenehm, da die Akustik in dem Saal sehr gut ist. Arnold bat mich das ein oder andere mal nach vorne um ein paar Sachen zu erklären wie Schützenfest oder unser Maskottchen. Mit großem Applaus wurde auch wieder mal der Siggi nach 'My Way' bedacht, und ich war doch heilfroh als dieser Auftritt hinter uns lag, da doch eine sehr förmliche Atmosphäre in der Luft lag. Nach dem Konzert kamen allerlei Leute auf uns zu und baten um Fotos und beteuerten uns wie toll das Konzert doch war. So war nach kurzer Zeit fast das gesamte Orchester rund um das Buffet verteilt und gab bereitwillig Auskunft zu allen Fragen die die Leute so hatten. Eine ältere Dame kam zu mir und fragte mich nach einem Lied aus einem Musical. Ich wusste wirklich nicht was sie meinte und erklärte ihr auf Englisch das ich das Lied nicht kenne. Sie schaute mich nur verdutzt an drehte sich um und murmelte etwas wie. 'Und ich dachte wirklich Sie wären ein Deutscher.' Toll, jetzt war ich schon halb zum Amerikaner geworden. Andreas meinte auch er würde schon in englisch denken und träumen, und so hatte ich die Idee am Abend mal die ganze Truppe im Gast-Center zu versammeln um unsere Lieblingsbeschäftigung nachzugehen. Neee, nicht proben, Bier trinken und feiern natürlich. Also bin ich flux zu Arnold gestiefelt und hab mal vorsichtig nachgefragt ob sowas möglich wäre.

Günstigerweise hatte Arnold nichts dagegen, wies mich aber darauf hin das wir die Getränke selber mitbringen müssten. Ich hielt das für kein Problem und sagte allen sie sollten sich mit passenden Getränken bewaffnet um 21.00 Uhr am Gast-Center einfinden. Ungewöhnlicher Weise waren wir diesmal pünktlich um 21.00 Uhr vor Ort. Das dumme war nur das wir ein kleines Mißverständnis mit Jörn und Thomas hatten, so das die beiden nicht an der Party teilnehmen konnten. Phillip war ebenfalls verhindert aber sonst waren alle da, und alle hatten Getränke mitgebracht. Es war kein Kunststück zu erraten das wir diese Mengen niemals leer kriegen würden. Das lag weniger an unserem Durst sondern eher an der Tatsache das wir nicht so viel Zeit hatten, es gibt nämlich noch eine komische Eigenschaft bei den Amerikanern. Sie fragen vor jeder Party wie lange sie wohl dauern würde. Ich hatte mich mit Arnold auf 23.30 Uhr geeinigt, so dass wir sage und schreibe 2 1/2 Stunden Zeit hatten diese Berge von Bier und sonstigen alkoholischen Getränken nieder zu kämpfen. Es war ein sehr lustiger Abend wir unterhielten uns über die kuriosen Begebenheiten in den USA, wir tanzten zu Fetenhits 1 - 15, und Mum hatte allerhand Ideen um uns mit Spielchen bei Laune zu halten. Rusty und Rob waren ebenfalls mit von der Party und die Zeit schritt viel zu schnell heran. Um ca. 23.45 Uhr fingen wir an alles wieder aufzuräumen und die schöne Party neigte sich dem Ende. Noch ein paar letzte Bierchen und wir machten uns auf den Weg nach Hause, nicht ohne ein wenig wehmütig darüber nachzudenken das diese Party in Sülze wahrscheinlich bis in die frühen Morgenstunden gedauert hätte, und das Bier hätte wahrscheinlich auch nicht gereicht. Am nächsten Tag hatten wir aber noch einmal die Möglichkeit uns alle zu treffen und den ganzen Tag zusammen zu verbringen. Wir wurden von Jim Willis eingeladen um auf dem Great Lake zu boaten. Darauf freuten wir uns natürlich mächtig, und darum sag ich heut' schon etwas früher Gute Nacht.


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