1. Tag - No sleep 'til Tulsa

Nun soll es also tatsächlich losgehen, seit geraumer Zeit fiberten wir diesem Tag entgegen. 'Wir fliegen nach Amerika' genauer gesagt nach Tulsa in Oklahoma. Pünktlich um 5.30 Uhr trafen wir uns am Übungsraum und checkten noch mal unser Gepäck und überzeugten uns vom Ordnungsgemäßen Zustand der Instrumenteverpackung. Unser Programm hatten wir ausgiebig in der Vorwoche geprobt sodaß auch im musikalischen Bereich nichts anbrennen konnte. Wider Erwarten hatten auch tatsächlich alle Ihren Reisepass mit und wir konnten unsere Reise planmäßig antreten. Gepäck, Bier und Orchester waren schnell im Bus verstaut und es ging los in Richtung Düsseldorf. Die Busreise verlief relativ problemlos, einzig ein Engpass in der Gerstensaftlieferung und der Umstand das Düsseldorf anscheinend erst 5 Kilometer vorm Flughafen auf einem Strassenschild erscheint, erschwerte die Reise.

Der neue Düsseldorfer Flughafen ist schon 'ne Wucht modern, sauber und ziemlich riesig. Wir hatten unser Gate schnell gefunden und wurden auch schon erwartet. Ein großer Vorteil bei Gruppenreisen ist die bevorzugte Behandlung beim einchecken, die uns auch bei der Heimreise noch Zuteil werden sollte. Der Mann am Check-In fragte allerhand unötiges Zeug wie 'Was wollt ihr in Amerika?' oder 'Habt ihr Sprengstoff im Butterbrot?'. Da wir aber harmlose Musiker waren gab es dort keine Probleme, die kamen erst beim Sicherheitscheck. Nachdem meine Tasche durch das Röntgengerät befördert wurde sagte mir die Dame vom BGS ich solle ihr doch mal die Raketenaufsätze aus meiner Tasche zeigen. Wie sich dann herausstellte waren meine Mundstücke das Objekt ihrer Begierde. Zu ihrer Verteidigung muss ich allerdings zugeben dass das Röntgenbild der Tasche wirklich gefährlich aussah sie wollte mir aber keinen Ausdruck davon geben. Andere mussten Schuhe und Jacke ausziehen und sich teilweise sogar bis zur Unterhose entkleiden. Einige fanden auch recht ungerecht das so wenige Frauen zum Abtasten der Passagiere eingesetz werden. Am Abfluggate warteten wir dann noch auf die restlichen Leute die etwas härter gecheckt wurden. Wir nutzten die Zeit um unseren Nikotinspiegel auf ein unerträgliches Niveau zu steigern, um den folgenden ca. 8,5 Std. langen Flug ohne größere Entzugserscheinungen zu überstehen. Währenddessen konnten wir auch einen ausgiebigen Blick auf unser Reisegefährt werfen. Nicht nur Thomas war etwas beunruhigt, weil sich einige Leute die wie Mechaniker aussahen noch diskutierend um das Fahrwerk versammelt hatten und mit Fingern auf einzelne Teile zeigten. Direkt am Gate wurde dann nochmal ein Sicherheitscheck durchgeführt, hier musste dann auch ich meine Schuhe ausziehen, und natürlich war meine Tasche wieder von besonderem Interesse, nachdem ich dem freundlichen Mann dann meine Mundstücktasche gezeigt habe meinte dieser aber das er die gar nicht sehen wollte. Naja, ich glaube das war nur eine faule Ausrede um sich nicht die Blöße zugeben das die Sicherheitsleute so berechenbar sind. Alles in allem sind die Sicherheitsvorkehrungen aber schon ziemlich hoch.

Nun aber endlich rein ins Flugzeug, wir flogen mit einer Boing 767-300 mit 3 Klassen, wobei wir natürlich die Economy Class besetzten. Nach kurzer Zeit setzte sich das Flugzeug in Bewegung und irgendwann durften wir dann die Gurte öffnen. Das sorgte allerdings für ein reges Gedränge vor dem Klo. Es dauerte nicht lange und die Flugbegleiterinnen kamen mit dem ersten Getränk und einen kleinen Snack. Ein paar Orchestermitglieder dachten schon über eine adäquate Bezeichnung für die Damen nach. 'Stewardess' sagt man ja nicht mehr und 'Flugbegleiterin' war wohl zu kompliziert oder zu lang. So wurden die Damen kurzerhand in 'Saftschubsen' umgetauft und da diese auch nur Englisch sprachen hatten sie natürlich kein Problem damit. Nachdem der Film 'Spiderman' das erstemal durchgelaufen war, setzten sich die meisten die beiliegenden Kopfhörer auf und schauten entweder 'Spiderman' oder den Film mit Eddie Murphy dessen Name mir gerade nicht einfällt. Zwischendurch gab es dann auch noch Mittagessen, und ich war mir sicher bei der nächsten Frage nach 'Chicken' oder 'Pasta' eindeutig mit Pasta zu antworten, der Kartoffelbrei war nicht wirklich als solches zu erkennen, und das 'Chicken' war auch nicht von jedermann zu genießen, das Gummibrötchen hat aber wider Erwarten sehr gut geschmeckt (in der Not ...). Das Trinken war aber durchweg gut wenn auch zu wenig, wie kann United auch denken das sie mit 250 Dosen Bier auskommen würden??? Der Pilot hat sich hinterher hoffentlich ordentlich geärgert, weil er kein Bier mehr abbekommen hat. Die Filme waren zu Ende und fingen zum 3. mal an und die meisten waren des TV-Schauens auch schon überdrüssig, was zu einer regen Bewegung der Orchestermitglieder führte, man spielte Karten, las Bücher, schaute aus dem Fenster oder laberte einfach nur dummes Zeug. Manche schliefen sogar aber in Hinblick auf den Jet Leg, den ich ja nur vom Hörensagen kenne, habe ich mich das nicht getraut, vielmehr habe ich mir fest vorgenommen bis Tulsa nicht zu schlafen. Allerdings hatte ich mir auch vorgenommen die Zeiten zu dokumentieren um später beim Schreiben eine kleine Hilfe zu haben, das hat leider nicht geklappt. Wahrscheinlich war ich zu sehr damit beschäftigt nicht einzuschlafen.

Irgendwann (die genaue Zeit ist mir aus obigen Gründen leider nicht bekannt) konnte man unten auch wieder Land sehen, wie ich dem kleinen Bildschirm vor mir entnahm handelte es sich dabei um Kanada, wenn ich es mir recht überlege müsste es Neufundland gewesen sein. Danach erschien dann New York City auf unserem Bildschirm, einige meinten die Freiheitsstatue sehen zu können, aber ich glaube die haben geschwindelt. Der nächste Ort war dann auch schon Washington, und wir mussten uns schon wieder anschnallen. Ich schaute noch aus dem Fenster, um eventuell einen Blick auf das Weiße Haus, oder auf das Capitol zu erhaschen, doch nichts von alledem war zu sehen. Trotzdem wuchs die Spannung, gleich würden wir amerikanischen Boden betreten, gleich würden wir den ersten Kontakt mit Amerikanern haben, gleich würden wir wieder in den Genuß einer Zigarette kommen. Die Landung selbst war unproblematisch, jedenfalls unproblematischer als die folgenden Sicherheitskontrollen, wir mussten unser Gepäck abholen um es dann ca. 20 Meter weiter wieder abzugeben. Thomas hatte das wohl falsch verstanden, und dachte der freundliche Mann wollte ihm das Gepäck klauen, und hielt es fest in der Hand während der Amerikaner immer stärker zog. Ich glaube die beiden konnten sich noch im Guten einigen, denn Thomas wurde weder erschossen noch verhaftet. Die nächste Hürde war ein als Polizist verkleideter Mann der alle fragte wo man hin wollte, warum man da hin wollte und warum man nicht lieber wieder nach Hause wollte. Maren wurde von ihm sogar etwas lauter gefragt, da sie ihn nicht sofort verstanden hat. Dann kam wieder ein Mann der die gleichen Fragen nochmal stellte und Stichprobenartig die Taschen kontrollierte. Dann kam die Taschendurchleuchtung, und natürlich war meine Tasche wieder besonders interessant. Ich zeigte dem zugegeben sehr freundlichen Mann meine Mundstück Sammlung und er war zufrieden, erkundigte sich noch nach der Musik, wartete die Antwort aber nicht mehr ab und beschäftigte sich mit dem nächsten. Das alles schien einfach kein Ende zu nehmen, als nächstes stand die Passkontrolle auf dem Plan. Wieder die gleichen Fragen, diesmal hatte ich den Vorteil das ich mir die Antworten schon in Englisch parat gelegt hatte, und so konnte ich jede Frage wie aus der Pistole geschossen beantworten, was den Ablauf natürlich extrem beschleunigte. Nun war es doch tatsächlich geschafft und ich machte mich auf den Weg zur nächstmöglichen Sitzgelegenheit wo auch schon einige aus dem Orchester warteten. Andere wiederum waren schon weg zum Rauchen, was mich auf die Idee brachte ebendies auch zu tun. Die Smoking-Lounge in Washington ist ja wohl der Gipfel amerikanischer Idiotie. Ungefähr 30 Raucher eingesperrt in einem Glaskasten von ca. 15 qm, dazu Ledersitze und Aschenbecher mit nicht vollständig ausgedrückten Zigarettenkippen. Die Luft war greifbar und eigentlich hätte es gar keine Zigarette benötigt um seinen Nikotinspiegel wieder auf ein normales Niveau anzuheben, da passives Rauchen ja ungesünder als aktives sein soll habe ich mich den restlichen Leidensgenossen angeschlossen und eine Zigarette angezündet. Ein Nichtraucher wird dies wohl niemals verstehen können, aber es war tatsächlich ein befreiendes Erlebnis. Nach den ersten amerikanischen Burgern und kläglichen Versuchen im Duty Free einzukaufen machten wir uns auf den Weg nach Chicago.

Der Flughafen von Chicago stellt alles bisher gesehene vollkommen in den Schatten. Staus auf den Startbahnen sind hier der Normalfall, die eincheckenden Flugzeuge müssen zwischenzeitlich warten, weil sie eine Startbahn überqueren müssen die gerade von einer 747 benötigt wird. Der Flughafen selbst scheint eine eigene Stadt zu sein und zu allem Überfluss haben wir auch noch Vize verloren. Derjenige aus der Gruppe der am wenigsten Englisch von allen spricht stromert nun ganz allein auf dem größten Flughafen der Welt rum, was für ein Irrsinn. Zum Glück trafen wir Vize in Begleitung von Siggi und Sylvia am Abfluggate wieder. Die Zeit war zwar recht knapp doch nachdem ich in Washington noch keinen Burger hatte und ich davon ausging auch im nächsten Flieger nicht mehr als eine Tüte nährwertloser Bretzeln zu bekommen machte ich mich noch schnell auf den Weg um einen echten amerikanischen McDonalds auszuprobieren. Der Doppel-Quarterpounder mit Cheese war auch schnell verschlungen und auf ging's ins Flugzeug. Der Flieger war etwas kleiner als der andere und wir mussten über eine '3 Wetter Taft Treppe' ins Flugzeug einsteigen. Der Flieger selbst erwies sich aber wesentlich angenehmer als die großen. Thomas entgegnete den Leuten die auf dem Weg zur Toilette war ein paar freundliche Worte wie: 'Musst du in diesem kleinen Flugzeug auch noch aufstehen?' Nach einem Drink und einer Tüte Bretzeln ohne Fett, Kalorien, Nährwert und Geschmack kamen wir doch tatsächlich heil in Tulsa an. Der erste Gang war natürlich der in die Smoking-Lounge, da in Chicago kaum Zeit zum Rauchen war und außerdem die Smoking-Lounge sehr gut versteckt wurde. Nach einer heilsamen Zigarette wurden wir freundlichst von unseren Gastfamilien begrüsst, äußerst freundliche Leute teilweise sogar mit 'Deutschland' T-Shirts bekleidet. Die einzelnen Leute wurden schnell den entsprechenden Gastgebern zugeordnet so dass wir alle schnell unsere Koffer vom Band holten und zu den Autos gingen. Nach einer ca. halbstündigen Fahrt waren wir angekommen. Maren und Ich sind bei Arnold und Gwen Bieber untergebracht worden. Arnold ist der Präsident der German American Society of Tulsa (GAST) und spricht sehr gut Deutsch, während Gwen überhaupt kein Deutsch sprach. Das kam uns sehr entgegen, denn so konnten wir unsere Englischkenntnisse vertiefen und hatten gleich einen Dolmetscher zur Hand. Arnold bot uns noch was zu Essen und ein Bier an was wir aber dankend ablehnten, denn wir waren Hundemüde und wollten nur noch ins Bett. Ich denke den meisten anderen ging es ähnlich und somit war der Tag dann doch endlich zu Ende, ich denke es war schon High-Noon als wir endlich das Licht ausmachten. Nächste Woche erfahrt Ihr dann alles über unseren 1. Tag in Amerika, die ersten Shopping Tour und der ersten Begegnung mit dem amerikanischen Fernsehen. Bis dann.


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