8. Tag - Könige für einen Tag

Tja, heute war eigentlich nicht viel los. Wir sind ein bisschen auf'm See rumgeschippert und haben uns die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Mehr kann ich dazu gar nicht sagen. --- Neee, natürlich war der heutige Tag wohl der Höhepunkt der gesamten Reise denn zum einen hatten wir den ganzen Tag frei, zum anderen waren wir alle zusammen (bis auf Kristin die hatte schon was anderes vor) und außerdem hatten wir uns das so natürlich nicht vorgestellt. Alles begann damit dass Jim Willis (Gastgeber von Bootsmann und Percy) seine beiden Gäste mit zum Wochenendhaus nehmen wollte, da an dem Tag allerdings unser Konzert in Ponca City anlag mussten die beiden leider absagen. Daraufhin meinte der gute Jim er könne ja das gesamte Blasorchester für den kommenden Montag zu einer Bootsfahrt einladen. Wir waren natürlich etwas skeptisch, immerhin sprachen wir von 23 Personen, wie will er das machen? Arnold organisierte einen Bus für 15 Leute den wir früh morgens abholten (Soviel Papierkram ist es gar nicht ein Auto in Amerika zu mieten), da wir die Autovermietung nicht sofort gefunden haben, kamen wir etwas zu spät zum vereinbarten Treffpunkt, außerdem mussten wir mal wieder den lieben Erich aus dem Niemandsland abholen, so das natürlich alle anderen wieder vor uns da waren. Ruth Obermark hatte angeboten zu fahren und bei Willis kamen auch noch einige Leute im Auto unter. So konnten wir uns dann mit 3 vollgestopften Fahrzeugen auf den Weg zum Grand Lake O' the Cherokees machen. Ruth überließ uns freundlicherweise ihren Pikepass, damit Arnold auf den Turnpikes nicht ständig sein Geld aus dem Fenster schmeissen musste, was den Verkehrsfluss natürlich um Meilen verbesserte. Denn diese Kleingeldsucherei hält doch ziemlich auf, und so mussten wir nur an den entsprechenden Stellen den Pikepass ans Fenster halten.

Der See ist ca 150 Km von Tulsa entfernt und entsteht durch den Pensacola Staudamm des 'Grand Rivers' und hat über 1300 Meilen Uferlänge. Den Namen verdankt er dem Gebiet unter dem See. Das Gebiet gehörte vorher den Cherokee Indianern und es war eine ihrer Bedingungen den See 'Grand Lake O' Cherokees' zu nennen, das O' steht dabei für Over. Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe sind alle Seen in Oklahoma künstlich aufgestaute Seen. Die Staudämme dienen zum einen der Stromerzeugung und zum anderen der Flutregulierung bei den Flüssen. Wie dem auch sei, wir fuhren also von Tulsa in Richtung Missouri und verloren logischerweise auch einmal den Kontakt zum vorfahrenden Auto. Auf der Fahrt konnte man sich dann auch mal das amerikanische Interstate-Verkehrsnetz etwas genauer ansehen. In punkto Verkehrsführung sind die Amerikaner echt spitze. Die Interstate-Strassen sind nämlich nicht willkürlich numeriert sondern mit einem einfachen aber genialen System. Alle geraden 1- oder 2stelligen Zahlen sind Ost-West Routen, die ungeraden sind Nord-Süd Routen. Dreistellige Strassen führen zu oder um eine Stadt herum wenn die erste Ziffer gerade ist, und direkt in die Stadt wenn die erste Ziffer ungerade ist. In Deutschland wäre das wohl etwas übertrieben aber in einem so großen Land ist das doch eine Recht ansprechende Lösung. Nachdem wir uns im Bus noch mit peinlichen Erlebnissen oder sonstigen aufregenden Geschichten die Zeit vertrieben haben, waren wir schon recht nahe am See. Man erkannte es an den vielen Bootsverleihern bzw. -verkäufern, und tatsächlich fuhren wir bald in eine im Wald gelegene Community. Es war kaum zu fassen so idyllisch war es hier. Auf manchen der prächtigen Grundstücke konnte man Rehe sehen und hier und da fuhr ein leicht untersetzter Mann mit einem Golfwagen durch die Strassen, als wir zum 'Willis Haus' kamen trauten wir unseren Augen nicht. Das Haus war direkt auf einer Landzunge gelegen, zu jeder Seite erstreckte sich ein Flügel und das Haus war zur Seeseite komplett mit einer Terasse und einem Balkon umgeben.

Der Haupttrakt des Hauses beherbergte sowohl oben als auch unten ein riesiges Wohnzimmer jeweils mit Kamin und einem grandiosen Blick auf den See. Das Obergeschoss war zusätzlich noch mit einer großen Küche und einer Bar ausgestattet. Es gab wohl so um die 5 Schlafzimmer ein Arbeitszimmer und zu jedem Schlafzimmer ein Badezimmer. Jim meinte wir könnten uns das Haus ruhig ansehen. Ich sah mich erstmal draussen ein wenig um und klemmte mir prompt an dem merkwürdigem Schließsystem der Gartenpforten meine Finger. Auf einer Seite war auch der Abgang zur Bucht wo das Speedboot seinen Platz hatte. Besonders bequeme Menschen könnten auch mit einer Art Lift zur Bucht runter fahren, aber so weit war der Weg dann doch nicht. Auf dem Balkon saßen schon einige unsere Musiker und genossen ein kühles Bier während ihnen die Sonne die Brusthaare ansengte. In der Küche wurde schon fleissig das Büffet aufgebaut, es gab verschiedene Salate und Dips, Brot, Wurst und Käse sowie Wachteleier, Chips, Kekse und noch allerhand mehr, zwischenzeitlich kamen auch noch Siggi und Silvia dazu, sie wollten eigentlich mit ihren Gastgebern segeln, aber es gab wohl ein Problem mit dem Motor (???). Nachdem wir uns ausgiebig gestärkt hatten ging es auch schon wieder los. Also alle rein ins Auto und auf zum Yachthafen. Es war wohl nicht gerade die Zeit zum boaten, denn der Parkplatz war relativ leer und auch die Yachten lagen alle im Hafen, wahrscheinlich lag es wohl daran das Montag war, denn das Wetter war einsame Spitze. Jedes Boot hatte auch noch einen Grillplatz am Steg auf dem man nach einer ausgedehnten Tour mit einigen Leuten den Abend ausklingen lassen konnte, für 23 Leute war der allerdings nicht geeignet. Jims Boot hieß 'Marja' und es ist bestimmt kein Zufall das seine Frau genauso heisst, wer allerdings zuerst da war kann ich so jetzt nicht genau sagen. Die Yacht war wesentlich größer als wir es uns vorgestellt haben. Wir mussten auf dem Steg warten bis Jim das Boot fertig vorbereitet hatte, und hatten etwas Zeit uns die anderen Yachten anzusehen. Percy gingen die Augen über, schließlich war er der einzige der einen Bootsschein hatte, daher war er auch sehr erstaunt als er hörte das man in Amerika keinen Bootsschein brauchte.

Im Hafenbereich mussten wir uns noch im Kabinenbereich aufhalten daher erkundeten wir schon mal den Kühlschrank. Jim kannte uns besser als wir dachten, denn ausser Bier war da nicht so viel drin, überhaupt war er sehr froh am Ende der Fahrt das wir alles weggesoffen haben, schon komisch in Deutschland ist man meist froh wenn wir noch was überlassen. Die Fahrt war schon der absolute Wahnsinn, zwischendurch wollte Schnurzel mir sogar die Füße küssen, weil er bei Salinia mitspielen darf, ich werde ihn wohl in ein paar Monaten nochmal dran erinnern müssen. Links und rechts konnten wir die vielen Villen begutachten, es ist schon unglaublich was man mit Geld alles kaufen kann, obwohl ich zugeben musste das keines so eine schöne Lage hatte wie das Haus von Willis', das mag vom Wasser aus gesehen aber auch täuschen. Nach einiger Zeit kamen wir dann zum Pensacola Staudamm. Die Leute die sich auf dem Vorderdeck aufhielten mussten nun schnell wieder rein, da hier die Cops wohl ab und an mal nach dem Rechten sehen und das herumlungern am besagten Ort nicht erlaubt ist. Wir drehten hier und machten uns wieder auf den Rückweg. Nun durften wir auch wieder auf's Vorderdeck, was uns spontan zu ein paar netten Fotos anregte. Andi stellte dann natürlich seine Lieblingsszene aus dem Film 'Titanic' nach und schrie 'Ich bin der König der Welt'. Leonardo wäre stolz gewesen aber insgeheim hoffte ich unsere Tour würde ein glücklicheres Ende als das der Titanic nehmen. Einige wollten im See baden und so machten wir einen Zwischenstop am Wochenendhaus. Hier geschah dann auch das schier unglaubliche. Ele entblösste sich zum Entsetzen aller und sprang mit einem knallroten Tanga ins Wasser, dummerweise saß dort nicht alles da wo es hingehörte was viele noch viel mehr entsetzte andere aber nur zum Lachen zwang. Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen das ich diesem Anblick schon einmal in Meissen ausgesetzt wurde, und ich hatte es doch tatsächlich geschafft ihn erfolgreich aus meinem Gedächtnis zu verdrängen, bis heute jedenfalls. Ein bisschen Sorgen machte ich mir als Schnurzel ins Wasser sprang, doch dann fiel mir ein das die Jagd auf Wale in Oklahoma verboten ist (Jetzt verstehe ich auch den Sinn dieses Gesetzes). Nach dem Stop machten wir uns dann wieder auf den Rückweg zum Yachthafen. Am Auto eröffnete uns Arnold das wir auf dem Rückweg noch einen Stop beim größten McDonalds der Welt machen würden, überflüssig zu erwähnen das Vize darüber nicht sonderlich erfreut war.

Der weltgrößte MacDonalds ist nicht in New York, Las Vegas oder LA sondern in der Nähe von Vinita (ca. 5000 Einwohner). Er überspannt den Interstate-Highway 44 (ehemals Route 66) und fasst mehr als 300 Gäste, allerdings muss ich anmerken das die Theke nicht unbedingt größer war als die irgendeines anderen MacDonalds. Vinita zählt den McDonalds neben einem Eisenbahnmuseum sogar zu seinen Attraktionen. Draussen steht eine Statue von Will Rogers einem Lasso-Künstler und Westernschauspieler, welcher hier nicht erwähnt werden würde wenn es nicht eine kuriose Geschichte über ihn geben würde. Will Rogers starb 1935 bei einem Flugzeug-Unglück. Dies haben die Okies zum Anlass genommen den Flughafen in Oklahoma City den "Will Rogers World Airport" zu nennen, und da sagt man den Amerikanern nach sie hätten keinen Sinn für Ironie. Wie bereits erwähnt war der Riesen-Schotte gar nicht so riesig, gut er hatte einen Fahrstuhl und es gab einen Souvenirladen aber man hätte das ganze wohl auch auf weniger Platz unterbringen können. Percy bestellte sich zur Feier des Tages gleich drei verschiedene Menüs, ich bestellte den üblichen Double Quarterpounder with Cheese und gönnte mir eine Superkingsizehypermegafreerefillextra Cola, ich wusste nur nicht warum. Welchen Sinn macht ein '1 Liter Becher' im Land des Free Refills? Es hätte doch auch ein 0,2l Becher gereicht, so wäre ich wenigstens in den Genuss des Free Refills gekommen. Ich kämpfte den Becher soweit es ging nieder und machte ihn am Ende noch einmal randvoll und nahm ihn mit ins Auto. Natürlich habe ich ihn nicht geschafft bis nach Tulsa aber wenigstens hab ich ihn einmal nachgefüllt. Am Abend hatte kaum noch einer Lust irgendwas zu unternehmen und so endet dann auch mein Bericht über den 8. Tag. Morgen standen zwei Konzerte an, eins in Downtown Tulsa und eins in der McKinnley Elemantary School, wobei wir dem ersten natürlich eine größere Bedeutung zusprachen, doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, aber davon erzähl ich dann beim nächsten Mal. Gute Nacht und bestellt niemals eine Superkingsizehypermegafreerefillextra Cola, es sei denn ihr trinkt mit 8 Leuten aus dem gleichen Becher.


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