5. Tag - Das Huhn aus dem Meer

Jaja, ich weiss es hat lange gedauert, aber in letzter Zeit war ziemlich viel zu tun und so kommt es halt mal zu Stande das sich so ein Bericht auch mal verzögert. Ich gelobe aber Besserung und werde versuchen den nächsten Bericht so schnell wie möglich nachzuliefern, damit wir dann wieder in der Zeit liegen.

Eines der schönsten Dinge die man in Amerika machen kann ist frühstücken. So oder so ähnlich waren viele Ratschläge von Leuten und Internetseiten die bereits mit der amerikanischen Esskultur vertraut waren. Unser sehnlichster Wunsch war es natürlich wenigstens einmal in einen solchen Frühstückstempel zu gehen und den Morgen mal mit einem richtig kräftigen American-Breakfast zu beginnen. Arnold und Gwen gingen mit uns zu IHOP, einer großen amerikanischen Restaurant-Kette, die sich auf's Frühstücken spezialisiert hat. Man kann hier 24 Std. am Tag frühstücken und das ganze mit Burgern, Chicken, Beef oder Salat kombinieren, man kann sich auch kaum entscheiden. Wir waren eher für ein traditionelles Breakfast mit Eiern, Bacon, Buttermilk-Pancakes, kleinen Würstchen, French Toast und Hash Browns (die absolute Frühstückskrönung, geraspelte Kartoffeln die auf beiden Seiten goldbraun angebraten werden. Ähnlich wie Röstis). Bedient wurden wir von einem netten Herrn, der aussah wie ein Friseur. Das Frühstück war echt grandios besonders die Hash Browns hatten es mir angetan. Bratkartoffeln (Was anderes ist es ja eigentlich nicht) zum Frühstück und dann erst diese Pancakes, der absolute Wahnsinn. Wie die meisten amerikanischen Restaurants hatte auch IHOP diese segensreiche Serviceleistung 'Free-Refill' was soviel heisst wie: 'Trink bis es dir aus den Ohren rauskommt', übrigens eines der Dinge die ich in Deutschlands Servicewüste schmerzhaft vermisse. Überhaupt ist Essen gehen in den USA aus rein finanzieller Sicht wesentlich angenehmer als bei uns, so gibt es oft für ca. 10 Dollar ein Buffett bei dem man so oft nachholen kann wie man will, dazu noch ein Becher der auf wundersame Weise immer wieder vollgemacht wird und die Restaurants sind immer gut besucht. Aber zurück zum Frühstück genauer zu den Eiern. Eier bestellen ist eine Kunst für sich und man hat die Qual der Wahl. Es gibt viele verschiedene Variationen wie z.B. boiled, raw, scrambled, sunnyside-up, sunnyside-down, sunnyside-sideways, sunset, over-easy, over-difficultly oder over-the-shoulder ;) die beliebteste ist wohl 'over-easy' (einmal gewendet) denn alles andere scheint die Kellner nur zu verwirren obwohl auf den meisten Bildern 'sunnyside-up' abgebildet ist.

Ähnlich verhält sich das auch mit den Pancakes, Crepe-Style, Choclate Chips Pancakes, Country Griddle Cakes, Harvest Grain 'N Nut Pancakes, Buttermilk Pancakes, Potato Pancakes oder Banana Nut Pancakes um nur einige zu nennen dazu natürlich verschiedene Sorten Gelee-Sauce aus allen erdenklichen Früchten und die ebenfalls bis zum bitteren Ende. Also taten wir unsere verdammte Pflicht und stopften all dieses Zeug in uns rein bis wir kurz vor'm Platzen waren, und gossen soviel Kaffee obendrauf das man denken könnte wir wollten bis zum Abflug nicht mehr schlafen gehen. Logischerweise konnten wir nicht sofort aufstehen, allein schon aus dem Grund das gute essen nicht gleich wieder in umgekehrter Reihenfolge in Klo zu verlieren. Wir blieben also noch ein wenig sitzen und liessen unserem Magen Zeit die gerade in seinem Arbeitsbereich erschienenen Lebensmitteln in die entsprechenden Wertstoffe zu sortieren und unterhielten uns mit dem Kellner, der uns erzählte das er eigentlich Friseur ist und nur vorübergehend hier arbeitet. Wir erzählten ihm von unserer Absicht am Abend am Fluss ein Konzert zu geben und luden ihn höflicherweise auch dazu ein. In weiser Voraussicht das er uns sowieso nie wiedersieht, sagte er natürlich zu und erkundigte sich auch noch scheinheilig nach der Uhrzeit. Nachdem unser Magen die erste Vorsortierung abgeschlossen hatte, machten wir uns auf den Weg nach draussen, wo wir uns schnell eine Zigarette genehmigen mussten. Es ist eine Schande nach solch einem Essen nicht sofort rauchen zu dürfen. Nach kurzer Beratungszeit die der Planung unseres weiteren Vorgehens diente verabschiedeten wir uns von Arnold und Gwen und machten uns auf den Weg zum Supertarget. Ein riesiges Einkaufszentrum ähnlich wie RealKauf nur größer und da es ja kurz vor Halloween war hielten wir Ausschau nach allen möglichen Kram den die Amerikaner bei diesem Fest so benötigen, wir fanden auch eine ziemlich erschreckende Monster-Maske wie unschwer auf dem Bild zu erkennen ist.

Die Feuerwehrleute aus dem Orchester hatten am Nachmittag eine Verabredung mit den Feuerwehrmännern vom Tulsa Firedepartment. Einige Bilder könnt' ihr hier sehen, mehr gibt es beim Party-Mann. Andere vergnügten sich beim Wasserski oder verbrachten die Zeit damit sich einen Sonnenbrand zu züchten, oder soll ich sagen 'Verbrennungen schweren Grades', denn der liebe Christian war derart verbrannt das er die nächsten Tage sehr darunter zu leiden hatte und sogar den einen oder anderen Termin absagen musste um sein Gesicht wieder in Originalzustand zurück zu versetzen. Abends war dann unser großer Auftritt auf der 'Reynolds Floating Stage' bei den River Parks. Ein riesiges Amphitheater auf dem Arkansas River mit einer beeindruckenden Aussicht auf die Skyline. Auf dem Gelände findet auch das alljährliche Oktoberfest statt, und die ersten Volenteers (so nennen sich die freiwilligen Helfer dort) waren angereist um dort schon mal das ein oder andere Zelt aufzubauen. Auf so einer großen Bühne kommt man sich recht verloren vor und man wird auch leicht nervös, vor allem wenn man merkt das man den Programmzettel zu Hause vergessen hat, und zwar in Deutschland. Toll! Trotzdem begannen wir pünktlich unser Konzert mit 'Musik ist Trumpf'. Der Mann vom Radio und Arnold stellten uns vor und begrüßten die Gäste, nebenbei erklärte mir Arnold ich müsste eigentlich auch noch was zum Publikum sagen, zumindestens 'Guten Tag' oder sowas. Toll, Toll! Die Nervösität war wie weggeblasen und Panik kam auf. Wir spielten 'Gruß an Böhmen' und bei meiner Ansage fiel mir das englische Wort für 'Böhmen' nicht ein, also kreierte ich kurzerhand ein neues Wort welches so ähnlich wie (beamish) klang und betitelte den Marsch mit 'Greetings to the beamish People'. Schlimm waren auch die Pausen zwischen den Stücken, hier wurden die Sekunden zu Minuten und es sah auch nicht sonderlich professionell aus, wie ich auf der Suche nach einer Eingebung zum nächsten Stück mein Notenbuch durchwühlte. Toll, Toll, Toll! Es fühlte sich auch an als ob tausend Augen nur diesen einen Vorgang beobachten würden, und es waren nicht mal anähernd so viele Augen da. Es half nichts, ich musste auch zwischendurch mal aufstehen und was sagen, damit wir die Pausen besser überbrücken konnten. In Deutschland ist das selten ein Problem, denn wenn wir nicht spielen, dann reden die anderen.

Endlich hatten wir den ersten Teil hinter uns und gingen in den Backstage Bereich, wo sich uns jetzt ein atemberaubender Anblick bot. Die Skyline von Tulsa in der Nacht. Überwältigt von der Aussicht tranken wir unser Bier das unsere fleissigen Helfer für uns bereit gestellt haben und sinnierten über den ersten Teil des Konzertes. Wir füllten noch mal unsere Becher und begannen den zweiten Teil mit der 'Amsel Polka'. Jetzt war es auch an der Zeit unserem Publikum mal was zu bieten, also schickten wir unseren einzigen Profimusiker auf die Mission den Zuhörern den alten Frank Sinatra Schinken 'My Way' näher zu bringen. Die Menge tobte und das Orchester wurde immer sicherer am Ende sprang sogar noch eine Zugabe heraus. Den Abschluss machte dann die Brikett Polka, aber ich glaube dafür ist das amerikanische Volk noch nicht Reif genug. Zu ihrer Entschuldigung muss ich sagen das sie ja nicht wissen was bei uns auf dem Bierzelt bei diesem Stück los ist. Danach waren wir noch von den Volenteers zu einem Bierchen eingeladen, was wir uns natürlich nicht entgehen lassen konnten. Im Zelt war schon einiges los als wir ankamen, in der Ecke stand eine Zapfanlage und in der Mitte verteilte eine schrullige Frau mit Kippe im Mund eine zähflüssige Masse die sie als Chili bezeichnete, man konnte sich fast wie zuhause fühlen. Ich glaube so langsam muss ich aber mal erklären warum dieser Artikel 'Huhn aus dem Meer' heisst. In den Regalen stand eine Dose mit Thunfisch auf der eine Meerjungfrau abgebildet war. Darüber stand in großen Buchstaben 'Chicken of the Sea', über diese Kombination haben wir doch einige Zeit unsere Witze gerissen, und wie passt das eigentlich mit der Kuh zusammen die wir beim Footballspiel gesehen haben? Die Trug ein Schild mit der Aufschrift 'Eat more Chicken', Rusty (der Gastgeber von Heiner) übersetzte dies dann frei in 'Iss mehr Meerjungfrauen'. Ein bis zwei Stunden zogen ins Land und wir unterhielten uns prächtig mit den Oktoberfest-Leuten, insgesamt war es ein wirklich spassiger Abend. Die meisten hätten hier wohl bis in die frühen Morgenstunden feiern können, aber am nächsten Morgen mussten wir früh raus weil wir nach Ponca City zum Oktoberfest wollten um dort ein bißchen gute Laune zu verbreiten, aber davon gibt's dann nächste Woche mehr, also legt euch wieder hin.


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