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3. Tag - Topfglück-Ausflug mit Mahlzeit im Freien

Heute sollten wir also unser erstes Konzert auf amerikanischen Boden geben, genauer gesagt am Tulsa Community College. Ab 10.00 Uhr trudelten dann auch schon die ersten Musiker am Southeast Campus ein. Kai hatte noch eine merkwürdige Begegnung, bei der sich ein ca. 20 Jahre junger Mann auf ihn zubewegte und sagte: "Dich kenne ich". Wie sich später herausstellte war er letztes Jahr auf dem Sülzer Schützenfest was natürlich für einiges an Gesprächsstoff sorgte. Nach einigem hin und her fanden wir dann auch einen schönen schattigen Platz direkt an der Teichterasse wo wir unsere Instrumente aufbauten. Das große Rätsel um das Schlagzeug war nun auch gelüftet, denn Mike Stoops brachte uns ein bunt gemischtes Drum-Set mit welches Christian durch ein paar kleine Veränderungen nahtlos in unser musikalisches Gesamtbild einfügte. Wir merkten schnell das der Ansatz in Amerika wesentlich besser ist als in Deutschland und das gänzlich ohne die Zuführung von hopfenhaltigen rauschfördernden Gerstensaftgetränken. Naja, es gab Root-Beer (Wurzel-Bier) das ist allerdings überhaupt nicht hopfenhaltig und schon gar nicht rauschfördernd und schmeckt auch nicht so als ob es irgendeine positive Wirkung auf unseren Ansatz haben könnte. Wir hielten uns tapfer an die sonst in Amerika üblichen Erfrischungsgetränke und gaben ein recht hörenswertes Konzert zum Besten. Das Publikum war auch begeistert, auch wenn es sich noch in den umliegenden Klassenräumen befand, und so spielten wir anstatt der geplanten 45 min. ca. 1 1/2 Stunden und erlaubten uns zwischendurch eine kleine Pause um Siggi mit neuem Root-Beer zu versorgen, der war nämlich einer der wenigen die dieses Zeug mochten (schade das Spike nicht dabei war, der hätte es wahrscheinlich geliebt). So kam es dann auch das wir nach einem kurzen Geburtstagsständchen für die liebe Gwendolyn Bieber pünktlich zum Eintreffen der Mittags-Pizza (natürlich von Mazzios) fertig waren, es gab verschiedene Sorten Pizza und eiskalte Getränke natürlich mit Eiswürfeln satt. Unser nächstes Treffen war gegen 18.00 Uhr zum Potluck-Picnic und so gingen wir dann nach und nach auseinander. Die einen hatten eine Verabredung mit der hiesigen Feuerwehr für andere war Shopping angesagt, und die 'Four Crazy Horses' schnappten sich Ele und fuhren mit ihrer 'Mum' nach Stillwater um sich die 'Oklahoma State University' und natürlich 'Eskimo Joe's' anzuschauen.

Arnold und Gwen machten mit Maren und mir eine kleine Besichtigungs-Tour durch Tulsa und wir schauten uns unter anderem die 'Oral Roberts University' an. Oral Roberts ist einer dieser Fernesehprediger über die es in dem Song 'Jesus he knows me' von Genesis geht. Ende der 70er Jahre erschien ihm eine Christusgestalt und beauftragte ihn seine Anhänger um Spenden in Höhe von ca. 8 Millionen Dollar zu bitten, wenn er das Geld nicht rechtzeitig beschaffen könnte würde Gott ihn zu sich 'heimholen'. Am wenige Monate darauf folgenden Stichtag hatte er zwar nicht das ganze Geld zusammen, aber er war immer noch da. Es hieß Jesus habe ihm 'gnädig verziehen' (Ja klar). Das Geld war übrigens für ein Krankenhaus in dem er für die Kranken beten wollte, wie sich aber herausstellte bestand für ein solches Krankenhaus in Tulsa überhaupt kein Bedarf und so wurde es ein paar Jahre später wieder geschlossen da es nicht finanzierbar war und die Leute wohl auch keine Millionen mehr spenden wollten (oder konnten). Leider konnte man aus Angst vor Terroranschlägen nicht nach oben fahren, immerhin ist es das höchste Gebäude in Tulsa. Oral Roberts wurde bekannt durch sein 'heilendes beten', wobei der Erfolg sehr unterschiedlich ausfiel, soll heißen manchmal starben die Kranken manchmal lebten sie weiter. Seine betenden Hände wurden dann als überdimensionaler Bronzeguß vor das Krankenhaus gestellt, als dies nichts mehr mit spiritueller Heilkraft zu tun hatte verfrachtete man sie kurzerhand woanders hin. Oral gründete in den 60er Jahren die 'Oral Roberts University' die zu den höheren Bildungseinrichtungen von Oklahoma zählt und dessen Campus ein riesiger futuristisch anmutender 'Prayer Tower' ziert, und ich muss sagen nachdem wir das alles gesehen hatte fühlte ich mich doch ein wenig gesünder als vorher.

Eine sehr praktische Einrichtung in Amerika sind Eiswürfel in Tüten abgepackt, die man an jeder Tankstelle kaufen kann. Bei den Entfernungen macht das auch Sinn, man packt seine Kühlbox voll Bier, fährt an die Tankstelle und schüttet ein paar Kilo Eis dazu und wenn man angekommt hat man partytaugliches Bier. Die Wrights waren absolute Deutschlandfans und überall gab es Schilder mit deutschen Bezeichnungen wie Gartenterasse, Königsbad oder Kaisergarten. Dementsprechend nannte Don seine Frau auch Karola und bedeckte seinen wunderbaren Bierbauch unter einem weiss-blau gemusterten Bayern T-Shirt. Der Weg zur Toilette war zweisprachig ausgeschildert und aus den Lautsprechern tönte Blasmusik. Hier machten wir auch das erste Mal die Bekanntschaft mit den 'Gophers' einer Baseballmannschaft aus Garssen. Erich, völlig erstaunt darüber mit einem Deutschen zu sprechen erklärte einem Jungen wo Sülze liegt, worauf ihm dieser mit den Worten 'Man, ich weiss wo Sülze liegt' entgegnete. Dann war da auch noch diese Frau die rief 'It's a shame, it's a shame only Beer' nachdem sie die einzelnen Kühlboxen inspizierte. So ist das mit dem Potluck-Picnic, man weiss nie was die anderen mitbringen deswegen heisst es ja auch Potluck, wenn man Glück hat ist Bier drin wenn nicht muss man Mountain Dew trinken. Das Essen selbst war sehr gut, auch wenn ich nicht so der Freund der amerikanischen Barbeque Sauce bin. Wir tranken Biersorten mit solch schönen Namen wie St. Pauli Girl, Shiner Bock, Moosehead und sogar ein paar Flaschen Becks waren da, wir versuchten auch die verschiedenen Erfrischungsgetränke wie Dr. Peppers, Root-Beer, Mountain Dew und sogar Thomas genehmigte sich zwischenzeitlich ein Springwater. Nachdem wir uns alle reichlich gestärkt hatten machten wir uns daran ein wenig Musik unter die Leute zu bringen. Unsere Begleitpersonen animierten auch einige Leute zum tanzen, doch die Hitze machte uns schwer zu schaffen so dass Vize sich erstmal setzen musste und der Hausherr einen überdimensionalen Ventilator mit 1,5m langen Rotorblättern besorgte. Zum Ende gaben Siggi und Schnurzel noch eine Duett-Version vom 'Chickendance' zum besten und jetzt waren sogar einige junge Leute, die unsere Musik zuvor als 'Real Ghetto Music' betitelten, zum tanzen zu begeistern.

Zu diesem Zeitpunkt passierte dann was unglaubliches, die Party war zu Ende! Ich konnte es nicht fassen, wir waren doch gerade erst gekommen hatten gegessen und ca. 1 Stunde Musik gemacht und nun gingen die ersten schon nach Hause. Schlimmer war aber dass auch kein Bier mehr da war und überhaupt, kein Wasser, keine Cola auch kein Dr. Peppers nur noch ein Getränk mit Namen Mountain Dew - Code Red. Mal ehrlich ich man ist ja schon gewöhnt das die Erfrischungsgetränke in Amerika süßer sind als bei uns, aber dieses Zeug ist nahezu unerträglich. Nun stelle man sich einen heißen Sommerabend vor an dem selbst ein Ventilator mit 3m langen Rotorblättern keine echte Abkühlung bringt und das einzige Getränk ist dermaßen süß das selbst Zuckerwatte von Zahnärzten als unbedenklich eingestuft wird. Wo war das ganze Bier hin? Ich schaute nochmal in allen Boxen nach doch das einzige was ich fand war Mountain Dew - Code Red. Arnold hatte dann die rettende Idee, er lud Thomas, Jörn und Vize mit zu sich nach Hause auf ein Bier ein, also überreichten wir noch schnell das Gruppenfoto von Salinia an die Gastgeber und machten uns auf den Weg zurück nach Broken Arrow. Arnolds Oldsmobile ist glücklicherweise nicht so stark klimatisiert wie andere amerikansiche Autos so dass wir beim Aussteigen an diesem sehr warmen Abend keinen Klimaschock bekamen. Wir machten es uns auf der Terasse gemütlich und ließen ein gutgekühltes 'Michelob Lager' unsere Kehle hinunterlaufen. Ein Augenblick den ich in meinem ganzen Leben wahrscheinlich nie wieder vergessen werde. Arnold versuchte noch bei Vize anzurufen um ihn dann abzuholen, aber dort meldete sich niemand. Am nächsten Tag stellte sich heraus das er auf uns gewartet hat, was im nachhinein natürlich ziemlich dumm gelaufen ist. Trotzdem war es ein wunderbares Ende für einen wunderbaren Tag an dem wir so viele neue Eindrücke kennenlernen durften und damit will ich mich dann auch verabschieden, denn am nächsten Tag ging es früh los zum Woolaroc Naturpark wo wir eine sehr merkwürdige Person kennen lernten und Abends auch unser erstes High School Footballspiel sahen, also bis nächste Woche.

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